deviant art

Deviant Login Shop  Join deviantART for FREE Take the Tour
[x]
Download File
HTML, 11.7 KB
more ▶

More from ~asaziel

Featured in Groups:

Details

August 4, 2011
11.7 KB
Link
Thumb

Statistics

Comments: 3
Favourites: 1 [who?]

Views: 59 (0 today)
Downloads: 1 (0 today)
[x]
5
„Unglaublich.", entfuhr es James ehrfürchtig. Mit weit aufgerissenen Augen bestaunte er den riesigen, königlichen Ballsaal. Seine Schwester Moira brachte vor lauter Entzücken kein einziges Wort heraus. Der Timelord, der einfach nur Der Drifter genannt wurde, stand zufrieden lächelnd neben ihnen. Er hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt. In seiner Hand hielt er seinen Hut, eine Melone.  Keiner der anderen Gäste, sowohl auf der großen Tanzfläche, als auch am Rand des Saals, schien Anstoß an dieser kleinen Gruppe zu nehmen, obwohl sie offensichtlich nicht ihre Klasse erreichten. Der Drifter selber passte mit seiner viktorianisch angehauchten Kleidung recht gut in diese Zeit, wenngleich die Schweißerbrille, die er auf den Augen trug ihn wieder davon entfernte. James hatte einmal erwähnt, dass der Drifter wie ein Steampunk-Engländer aussah. Dem Drifter gefiel der Ausdruck sehr.
James und Moira aber hätten mit ihrer Kleidung aus dem frühen 21. Jahrhundert auffallen müssen, wie bunte Hunde. Trotzdem sah sich niemand auch nur nach ihnen um. „Und, Kinder? Ist das mehr nach eurem Geschmack?" James war einundzwanzig Jahre alt und Moira gerade Siebzehn geworden und obwohl der Timelord vor kurzem die 470 überschritten hatte, hätte er vom Aussehen her genauso gut ihr Onkel sein können. Er hatte hellblonde Haare, genau wie James, und trug sein Haar in einem Mittelscheitel. Obwohl es dabei fast bis zu den Schultern ging, sah diese Kombination bei ihm sogar richtig gut aus. Vom Gesicht her wirkte er wie Mitte Vierzig. Haltung und Persönlichkeit spiegelten die englische Art wider, die der Drifter so mochte. Moira fiel mit ihren roten Haaren in ihrer Familie ein wenig aus der Rolle. Das Feuer in ihren Haaren wirkte sich auch auf ihre Persönlichkeit aus, wie der Drifter schon des Öfteren bemerkt hatte. Sie war sehr impulsiv und eigentlich immer die Erste.
So auch diesmal, als sie zuerst antwortete. „Nach unserem Geschmack? Das ist Wahnsinn. Der Ballsaal Königin Victorias. Und wir sind sogar an ihrem Geburtstag hier." Jetzt drehte sich James um. Stirnrunzelnd fragte er: „Ähm, Drifter. Hattest du nicht gesagt, dass da ein Zwischenfall mit einem anderen Timelord war, weswegen ihre Hoheit nicht gut auf Aliens zu sprechen ist?" „Gut erinnert, mein Junge." Durch den Altersunterschied hatte er sich angewöhnt, ein seine Begleiter mit diversen Namen zu belegen, wie etwa „Mein Junge, meine Kleine, oder Kinder." Er war der Erwachsene, sie seine Schutzbefohlenen. „Sehr gut erinnert, aber aus ihrer Sicht gehen bis dahin noch ein paar Jahre ins Land. Für uns besteht also keinerlei Gefahr." „Aber was ist mit der Tardis? Eine Telefonzelle zu dieser Zeit?" Der Timelord hob lehrerhaft einen Finger, während er die andere Hand mit dem Hut hinter dem Rücken behielt. „James Marian Croft, was habe ich über die Tardis gesagt?" Moira musste bei der Erwähnung von James' zweiten Namen prusten, hielt sich aber tapfer zurück. „Was machen die Menschen, wenn sie etwas sehen, dass unmöglich sein kann?" James  rollte mit den Augen und antwortete monoton: „Ignorieren." „Ganz recht.", nickte der Drifter und verschränkte die Arme wieder hinter dem Rücken. „Wie du siehst, war deine Frage völlig unnötig." „Ich wollte nur sichergehen." „Löblich, aber überflüssig. Lass die Tardis meine Sorge sein. Warum mischt ihr euch nicht ein wenig unters Volk. Dies ist eine Party. Ich gehe derweil der Gastgeberin meine Aufwartung machen."
Die beiden Geschwister sahen sich an, zuckten mit den Schultern und entfernten sich. Der Drifter hatte eine eigentlich nur die Geburtstagsfeier ihrer Majestät, Königin Victoria I. besuchen wollen, aber schon ein paar Momente nach dem Eintreten hatte etwas seine Aufmerksamkeit erregt. Der Thron. Nicht direkt der Thron an sich und auch nicht die Frau darauf, die heute ihren 45. Geburtstag feierte. Es waren die beiden Männer, die jeweils links und rechts neben ihr standen. Die Männer selber waren loyale Wächter ihrer Königin, aber von einem Uniformwechsel in dieser Zeit war dem Drifter nichts bekannt. Sie standen dort in metallener Rüstung, von Kopf bis Fuß aus Eisen. Die seltsamen Helme hatten einen Bogen zwischen den Ohren gespannt. Sie sahen ganz genau so aus wie Cybermen, nur dass sie keine Masken trugen. Ihre Gesichter lagen frei und die Mimik und Gestik bewiesen, dass ihr Verstand es auch war. Was augenscheinlich aussah, wie eine Rüstung, war auch nichts anderes. Der Drifter setzte sich mit immer noch verschränkten Armen am Rand der Tanzfläche in Bewegung. Langsam näherte er sich dem Thron, der noch ein ganzes Stück entfernt stand. Mehr und mehr Details fielen ihm auf. Das Banner der königlichen Familie hing über dem Thron und der Timelord entdeckte das Gesicht eines Cybermen hineingearbeitet. Aber es war einer der alten Mondas-Cybermen. Eine Art der Rasse, die es schon lange nicht mehr gab. Halt, alter Junge, schalt sich der Drifter in Gedanken. Falsches Denken. Zu diesem Zeitpunkt gibt es sie noch, aber sie haben den Weg zur Erde noch nicht gefunden.
Jetzt, wo er an ihnen vorbeiging, drehten sich viele Gäste nach ihm um. Hauptsächlich natürlich wegen seiner kuriosen Brille. Woher sollten sie auch sowas kennen. Den Timelord beruhigte die Reaktion, sagte es ihm doch, dass diese Gäste immer noch über ihren freien Willen verfügten. Schließlich näherte er sich dem Thron von der Seite und blieb genau davor stehen. Er drehte sich zur Königin und verbeugte sich elegant. „Euer Hoheit, ich wünsche euch zum Geburtstag alles Gute. Ihr seht natürlich wie immer bezaubernd aus." Obwohl sie ernst blieb, wurde sie doch etwas rot im Gesicht. „Ihr schmeichelt mir, Sir. Und ihr habt einen kleinen Vorteil. Ihr kennt mich, aber ich kenne euch nicht." „Natürlich kenne ich euch. Wer in diesem Land kennt euch nicht? Doch um auf eure Frage zurückzukehren. Ich bin der Drifter." Königin Victoria rutschte auf ihrem Thron ein wenig nach vorne. Jetzt hatte er ihre Aufmerksamkeit. „Der Drifter? Das kann doch nicht euer ganzer Name sein?" Der Timelord lächelte. Es war tatsächlich fast so, als ob niemand die Schweißerbrille bemerkte. „Solange ich mich so nenne, ist er es wohl. Ich bin Wissenschaftler, euer Hoheit. Ein Gelehrter auf vielen Gebieten." „Wirklich? Auf wie vielen denn?" Sein Lächeln erstarb. „Auf genug um zu erkennen, dass ihr neue Verbündete gewonnen habt. Neue Freunde von…außerhalb." Auch Viktoria wurde wieder ernst. „Ach so ist das. Wer schickt euch? Preussen? Österreich?"  Er hob beschwichtigend die Hände, als die beiden Wächter mit stampfenden Schritten auf ihn zukamen.  „Aber, aber. Nichts dergleichen." Die Königin hob die Hand und die Wächter stoppten. Der Drifter erkannte an ihrer Hand einen Ring, der definitiv ein Geschenk der Cybermen war. „Ich komme, um euch zu helfen. Wenn ihr mich lasst." „Helfen? Wobei? Gegen meine Feinde? Dort habe ich schon die Hilfe der Metallmänner." „Der richtige Name dieser Metallmänner ist Cybermen. Hattet ihr persönlichen Kontakt mit ihnen?" Sie nickte vorsichtig. „Gut, dann habt ihr auch gesehen, gefühlvoll sie sein können." „Seid ihr von Sinnen? Sie sind völlig gefühllos." „Ah, wie schön. Es ist euch nicht entgangen. Alle Cybermen sind so. Und alle Cybermen waren einst Menschen. Menschen wie ihr. Menschen, wie eure Wächter. Sie helfen niemals, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und diese Gegenleistung ist immer die Gleiche. Die Konvertierung aller Menschen in Cybermen. Selbst ihr, meine Königin, wärt nur noch eine leere Hülle ohne Emotionen, Ambitionen und Kreativität. Alles wäre fort." „Das glaube ich nicht.", schnappte sie. Vorsicht, dachte der Drifter. Ihre Geduld ist bald am Ende. Er drehte sich um und zeigte auf die Menge. „Seht euch doch um. Könnt ihr meine beiden Begleiter sehen?" „Natürlich sehe ich sie. In dieser Bekleidung sind sie doch nicht zu übersehen." „Genau. Und wieso dreht sich dann niemand anders nach ihnen um? Wieso werden sie nicht angestarrt?" Er drehte sich zu Viktoria zurück. „Weil IHR es so wollt." Sie blickte ihn verständnislos an. „Seht eure beiden Wächter an. Sie tragen die Rüstung der Cybermen. Inklusive der Antennen. Und der Ring, den ihr an eurer rechten Hand tragt, war auch ein Geschenk von ihnen. Er ist ein Sender. Er überträgt eure Gedanken auf die Antennen und diese Senden sie an alle Anwesenden aus. Ihr wünscht eine perfekte Party, deshalb ist sie es auch." Sie zweifelte, das konnte er sehen. „Denkt doch einfach mal daran, wie es wäre, wenn alle Menschen hier in Formation stehen würden." Augenblicklich stoppten die Gäste mitten im Tanz, ihren Gesprächen und Getränken. Sie stellten sich alle in einer gleichmäßigen Formation auf. Perfekte Spalten und Reihen. „Seht ihr?" Jetzt wirkte sie verängstigt, auch wenn sie es nie zugegeben hätte. „Warum werdet ihr nicht beeinflusst?" „Ich werde es sein. Bald. Ich bin noch nicht so lange hier, aber den Strahlen die ganze Zeit über ausgesetzt. Sie haben bereits mit eurer Umwandlung begonnen und wenn ihr nichts unternehmt, dann sitzt nicht ihr auf dem Thron, sondern ein Cybercontroller." Victoria stand energisch auf. „NIEMALS. Was muss ich tun?" „Nicht viel. Zerstört, was sie euch gegeben haben." Ohne zu Zögern riss sie sich den grauen Ring vom Finger und warf ihn auf den Boden. Der Wächter, vor dessen Füßen er landete, trat sofort zu. Als ob ein kreischender Schrei durch den Saal zog, hielten sich alle Anwesenden gequält die Ohren zu und schrien vor Schmerzen. Die Königin, die Wächter, die Gäste und Bediensteten. Allesamt, mit Ausnahme des Drifters und den beiden Geschwistern. James und Moira blickten sich erschrocken um, als die Leute sich vor Schmerzen wanden. Und dann fielen alle um.
Es war ruhig. Kein Ton war zu hören, außer den Schritten der Geschwister. „Was ist passiert?", fragte Moira, als sie auf den Drifter zuging. „Ich habe eine Katastrophe abgewendet." „Das sieht mir eher nach einer Katastrophe aus.", sagte James, wofür er sich einen strafenden Blick einfing. „'Tschuldigung." „Wir können die doch nicht einfach so hier liegenlassen." „Deine Sorge ehrt dich, Moira, aber es geht ihnen gut. Sogar noch besser, wenn sie aufwachen, da sie sich an nichts mehr erinnern werden. Nur daran, dass die Cybermen ihre Feinde sind." „Die Cybermen? Hier? Und was machen wir jetzt?" Der Drifter sah sich im Saal um. „Jetzt? Jetzt gehen wir. Mir scheint, die Party ist sowieso vorbei." Er setzte seinen Hut auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken, als er sich in Bewegung setzte und zur Tür ging. „Kommt, Kinder. Wir haben noch einiges zu tun." Sie folgten ihm schnell und nur kurze Zeit später, nur ein paar Minuten nachdem die Tardis den Palastgarten verlassen hatte, wachten die Gäste wieder auf. Ihre englische Art verbat es ihnen, jemals darüber zu sprechen, dass der Palast in eine Massenohnmacht gefallen war. Die Geschichte würde es als eine ganz normale Party in Erinnerung behalten.

Zufrieden lächelte der Timelord. Er hatte damals eine Menge gelernt und gelehrt. Es gab ihm ein wohliges Gefühl zu wissen, dass er die Leben einiger Menschen bereichert hatte. Insbesondere die von James und Moira Croft. Er dachte gerne an die beiden, wenn auch nicht oft. Nicht weil er viel-leicht hochnäsig war, ganz im Gegenteil. Aber er wollte einfach nicht mehr zurückschauen. Es war zwar Freude damit verbunden, aber auch sehr viel Leid. Trotz allem war er froh, dass er die Erinne-rung an sie wieder aufgefrischt hatte.
Er nahm den Hut wieder ab. Er fand, dass Hüte ihm sowieso nicht standen. Der Drifter legte ihn hin und griff nach dem nächsten Teil. Wieder eine Jacke. Jedenfalls im gewissen Sinn. Er runzelte die Stirn. „Hab ich das wirklich mal getragen?" Ihm fielen nochmal die Croft-Geschwister ein und er erinnerte sich daran, dass sie ihn so auch mal kennen gelernt hatten. Da war doch noch was anderes. Wie war das noch?
:iconasaziel:
Kapitel 5 von Fragmente.

Chapter 5 of Fragments.
:iconrunenwoelfin-chan:
~Runenwoelfin-chan Aug 12, 2011  Hobbyist Digital Artist
Der fünfte Drifter kommt sehr sympathisch herüber. Ich kann ihn mir so richtig gut vorstellen. ^^
Dass er eine Schweißerbrille auf den Augen trägt, ist wirklich originell.
Auch seine beiden Begleiter kommen sehr nett herüber.
Reply
:iconasaziel:
~asaziel Aug 12, 2011  Hobbyist Writer
Ja, den mag ich auch besonders.^^ Er ist sowas wie der große Bruder.

Die beiden Geschwister habe ich mir lange gut überlegt.
Reply
:iconrunenwoelfin-chan:
~Runenwoelfin-chan Aug 12, 2011  Hobbyist Digital Artist
Man merkt, dass du dir Mühe gegeben hast. ^^
Reply
Add a Comment: