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Es war Nacht. Sternenklar und hell, durch einen perfekten Vollmond erleuchtet. Auf einem grasbewachsenen Hügel, unweit einer kleinen Siedlung nicht weit von London entfernt, stand eine Telefonzelle. Es war aber nicht irgendeine Telefonzelle. Gestern stand sie noch nicht dort. Und morgen würde sie auch nicht mehr dort stehen. Und wer diese Telefonzelle betreten würde, würde weit mehr vorfinden, als ein abgegriffenes Telefon und ein zerfetztes Telefonbuch. Diese Zelle war die Tardis des Drifters. Tardis ist die Abkürzung für Time and Relative Dimensions in Space. Im Endeffekt ein abgehobener Ausdruck dafür, dass die Zeitmaschine innen weit größer war, als außen. Im Moment stand sie einfach nur da, mit offener Tür und beleuchtete ihren Besitzer von hinten. Der Drifter war ein Timelord. Ein Mitglied dieser uralten Rasse, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Gefüge der Zeit zu beschützen. Das war, bevor sie ein anderer Timelord, genannt „Der Doctor", in einer Zeitblase eingesperrt hatte. Ihre gesamten Planeten Gallifrey, nur im das Universum vor den Folgen des großen Zeitkrieges zu bewahren. Jetzt waren nur noch der Drifter und der Doctor übrig. Die letzten ihrer Art.
Für den Drifter war heute ein besonderer Tag. In zweierlei Hinsicht. Es war nicht der Tag, an dem er gelandet war. Dieser Tag war auch besonders, aber es war nicht sein Geburtstag, so wie der Tag in der Tardis. Sein 800. Geburtstag. Schon früh hatte der Drifter erkannt, dass die exakte Messung der Zeit ironischerweise in einer Zeitmaschine so gut wie unmöglich war. Tage und Nächte waren genau so unzuverlässig, wie normale Uhren. Hätte er eine Armbanduhr auf die lokale Zeit eingestellt, hätte er es jetzt 21:54 gehabt. Völlig problemlos hätte er jetzt reingehen können und zwei Stunden in die Vergangenheit gehen können. Damit wäre die Uhr wieder überflüssig geworden. Zusätzlich dazu war die Tardis auch ein Raumschiff und nicht überall wurde die gleiche Zeitmessung benutzt. Er wollte das Problem angehen und hatte in die Kontrollkonsole eine permanente Zähluhr gebaut, die sein Alter zählen sollte. Und nach dieser Uhr war jetzt sein 800. Geburtstag.
Das Licht der Tardis war hell genug, um die Umgebung des Drifters zu erleuchten und der Mond tat sein übriges. Der Drifter hatte sich diesen Zeitpunkt und Ort genau ausgewählt und hatte sich nebenbei ein großzügiges Zeitpolster gegeben. Er wartete auf ein bestimmtes Ereignis, dass aber noch etwas auf sich warten lassen würde. Er hatte sich aber vorbereitet. Auf einer Decke hatte er Erinnerungsstücke ausgelegt. Dinge, die ihn an längst vergangene Zeit und Leben erinnerten. Zur Feier dieses großen Tages wollte er seine bisherigen Inkarnationen Revue passieren lassen. Die Gegenstände lagen der Reihe nach vor ihm. Er fing natürlich am Anfang an, damals als er noch sein Original war. Er hob die alte, abgegriffene Lederjacke auf. Behutsam zog er sie an und schloss die Augen.


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„Bomben! Verdammte Bomben!", keuchte er, als er von Deckung zu Deckung hastete. Wie aufs Stichwort ging eine weitere Fliegerbombe genau da hoch, wo er sich Momente zuvor noch befunden hatte. Der Lärm um ihn rum war ohrenbetäubend und der Timelord rannte einfach nur um sein Leben. Er wagte es nicht nach oben zu blicken, und selbst wenn er es getan hätte, hätte er den englischen Bomber, der Dresden so unbarmherzig beharkte, nicht sehen können.
„Warum hier? Warum jetzt? Was habe ich mir nur dabei gedacht?" Dresden am 14. Februar 1945. „Ich Idiot. Hätte ich nur etwas besser aufgepasst, wäre mir aufgefallen, dass ich zu früh gehalten habe. Der verdammte Krieg läuft noch."
Im nächsten Augenblick ging nur etwa 20 Meter von ihm entfernt ein weiterer 250-Kilo-Sprengkopf hoch, der den Drifter von den Beinen fegte und durch die Luft schleuderte. Mit brutaler Gewalt flog er rückwärts gegen eine Mauer, dass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde. Benebelt und mit einem Klingeln in den Ohren versuchte er sich aufzurappeln, was aber nur sehr langsam von Statten ging.
Erst dachte er, er wäre schwerhörig geworden, weil es nicht mehr so laut war. Dann aber bemerkte der Drifter, dass die Flieger ihn passiert hatten. Er hatte Glück gehabt und eine direkte Bombardierung überlebt. Glücklich schwor er sich in Zukunft besser aufzupassen.
Trotzdem fühlte er sich alles andere als gut. Seine Knochen taten ihm weh und er war hundemüde und ausgehungert. Vier Tage lang hatte er sich in Gefangenschaft der Nationalsozialisten befunden, die sich besonders für seine zwei Herzen interessiert hatten. Aufgefallen war er durch seine Kleidung. Die braune Lederjacke und die Jeanshose waren nichts besonderes, aber das schwarze Kapuzenshirt mit dem roten Tribal und die Laufschuhe fielen 1945 doch gewaltig auf.
Ausgehungert hatten sie ihn, bis eine Krankenschwester Erbarmen mit ihm hatte. Eigentlich hatte sie darauf aufpassen sollen, dass er ihnen bei den Verhören nicht wegstarb, aber er war ein guter Schauspieler, weswegen sie glaubten, sie hätten ihm mehr angetan, als sie wirklich hatten. Die Schwester hatte ihm schließlich einen Geheimgang gezeigt, den der Timelord dankbar benutzt hatte. Noch während seiner Flucht hörte er ihren Schrei, der urplötzlich in einem Schuss endete.
Jetzt hockte er hier und stand langsam wieder auf. Seine Tardis dürfte eigentlich nicht mehr weit weg gewesen sein und er ging das letzte Stück gemächlich, so schnell er konnte. Eine Verfolgung durch die Deutschen konnte der Drifter so kurz nach einem britischen Bombardement wohl getrost ausschließen.
Er bog an einer zerstörten und brennenden Lagerhalle ein und sah dort die Liftkabine stehen. Und vor der Kabine stand eine junge Frau, die weinend und lautstark an die Tür hämmerte.
„Lass mich rein!", brüllte sie unter Tränen. „Bitte! Ich will raus aus diesem Alptraum. Ich will hier weg!" Der Drifter machte einen weiteren Schritt, wodurch der Kies unter seinen Füßen knirschte. Trotz der Brüllerei schien sie das Geräusch gehört zu haben und drehte sich erschrocken um. „Du!" Sie stand auf und rannte auf den Drifter zu. Im ersten Augenblick dachte er, sie wolle ihn angreifen, aber dann stolperte sie nur noch und verfing sich in seiner Jacke. Mit verheultem Gesicht sah sie ihn an und bettelte: „Bring mich hier weg. Bitte."
Er kannte sie. Der Drifter hatte sie schon mal gesehen. Natürlich war sie nicht so dreckig gewesen, aber ihr Gesicht erkannte er. Der Timelord hatte sie in New York gesehen, auf einer Silvesterparty, die das Jahr 2010 einläuten sollte. Da fiel ihm ein, dass er von der Party direkt hierhergekommen war. Er hatte während des Fluges ein seltsames Geräusch gehört? Hatte sie sich etwa eingeschlichen?
„Wie bist du da reingekommen?" „Ich war auf der Party und hatte im Garten eine Fahrstuhlkabine gesehen. Sowas sieht man ja nicht alle Tage und da bin ich hingegangen und die Tür war offen und dann bin ich reingegangen und dann bist du gekommen und dann hast du Knöpfe gedrückt und Hebel gezogen und dann…dann…dann waren wir hier und ich bin vier Tage hier rumgeirrt. Ich…" Mehr brachte sie nicht mehr heraus. Er rieb ihr beruhigend den Rücken. „Sch..Sch..Sch. Ganz ruhig. Jetzt ist es vorbei. Komm mit. Ich bringe dich fort von hier." Er sagte ihr natürlich nicht, dass er selber mehr als froh war, von dort zu verschwinden. Außerdem schwor er sich, nie wieder in dieses Jahr zu kommen.
Er hielt seinen Arm beruhigend um sie gelegt, als sie sich der Tardis näherten. „Erzähl doch mal.", sagte er ruhig. „Wie heißt du?" „Emily.", schniefte sie. „Schön dich kennen zu lernen. Ich bin der Drifter."

„Emily.", sagte er leise. Sie war ihm lange Zeit eine gute Freundin und ein treuer Begleiter gewesen. Er schmunzelte, weil er sich daran erinnerte, dass er damals ein unglaublich schlechtes Gedächtnis gehabt hatte. Er hatte sie niemals bei ihrem richtigen Namen genannt.  Lily, so hatte er sie genannt. Das hatte sich gerächt, denn als er sie lange, lange Zeit später wieder mal besuchte, schickte Emily ihre Tochter mit dem Drifter mit. Sie hatte sie Lily genannt.
Vorsichtig zog er die Jacke wieder aus und legte sie zurück auf den Boden. Er nahm den nächsten Gegenstand. Wieder war es eine Jacke. Eine schwarze Regenjacke. Der Drifter atmete tief durch. Er mochte diese Inkarnation von sich selbst nicht, aber sie gehörte genauso zu ihm, wie er es jetzt tat. Er hielt die Jacke in den Händen, wollte sie aber nicht anziehen. Er schaute in den Himmel. Die Sterne und die Jacke erinnerten ihn an etwas, dass ihm in späteren Zeiten oft das Leben gerettet hatte.

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Dies ist das Intro und das erste Kapitel zu meiner neuesten Geschichte mit dem Drifter. Hab lange gebraucht, bis ich die gesamte Geschichte zusammen hatte. Die einzelnen Versionen des Timelords kann man auch in "Der Drifter und seine Tardis" in meiner Galerie nachlesen.

This is the Intro and the first Chapter of my new Story with the Drifter. It took me a long time to finish it. Sorry, but it's only on german for now. The different versions of the Timelord can be looked up in "The Drifter and his Tardis" in my gallery.

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August 4, 2011
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:iconrunenwoelfin-chan:
~Runenwoelfin-chan Aug 10, 2011  Hobbyist Digital Artist
Tolle Verbindung mit dem 800. Geburtstag. :D
Für die Geschichte des ersten Drifters hast du dir eine wirklich interessante Zeit ausgesucht.
Die arme Krankenschwester, aber das passt echt perfekt zu Doctor Who.
Sehr interessant zu erfahren, wie der Drifter Emily kennengelernt hat. Einfach die Tür offen lassen. Das scheint er manchmal zu machen (ich erinnere mich da an so eine Szene im RPG ^^).
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:iconasaziel:
Mood: Affection ~asaziel Aug 10, 2011  Hobbyist Writer
Vielen, vielen Dank.^^ Ich freu mich sehr, dass es dir gefällt.^^
Ich wollte die Geschichten ein wenig verbinden und denke auch mal, dass mir das gut gelungen ist.
Und natürlich habe ich das RPG mit eingebunden. Es ist zuviel Tolles passiert, als das man das ungenutzt lassen dürfte.^^
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:iconrunenwoelfin-chan:
~Runenwoelfin-chan Aug 11, 2011  Hobbyist Digital Artist
Bitte. ^^
Die anderen Kapitel werden natürlich auch noch kommentiert, wenn ich dazukomme sie zu lesen. Den Großteil kenne ich ja schon, aber alles noch einmal zusammen zu lesen, ist eine gute Idee.
Oh ja, da ist so einiges Interessantes passiert. ^^
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:iconasaziel:
~asaziel Aug 11, 2011  Hobbyist Writer
Vielleicht schreibe ich noch eine dritte Geschichte, die auf dem RPG basiert. Da kann man viel Gutes benutzen.^^
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:iconrunenwoelfin-chan:
~Runenwoelfin-chan Aug 11, 2011  Hobbyist Digital Artist
Ich würde die auf alle Fälle lesen. ^^
Wäre wirklich toll.
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